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Sport gegen das Gedankenkarussell

Bewegung ist nicht nur wichtig für unsere körperliche Fitness, sie kann auch bei psychosomatischen Erkrankungen äußerst wirksam sein. Studien belegen, dass sportliche Aktivität eine ähnliche Wirksamkeit wie Medikamente – zum Beispiel Antidepressiva – hat. Im Interview erklärt Dr. Catri Tegtmeier, Chefärztin der Akutpsychosomatik an den Kliniken Bad Wildungen, wie sich Bewegung auf die mentale Gesundheit auswirkt und welchen Stellenwert sie in der Therapie hat.

Wie lässt sich der positive Effekt von Bewegung auf die Psyche erklären?

Sport macht den Kopf frei – dieser Satz bringt es gut auf den Punkt. Denn wer sich auf Bewegungsabläufe konzentriert, lenkt damit seine Gedanken ab. Es ist unter anderem erwiesen, dass man unmöglich gleichzeitig Gleichgewichtsübungen machen und grübeln kann. Auch auf körperlicher Ebene geschieht beim Sport natürlich einiges: Es werden zahlreiche Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet. Dopamin wirkt sich beispielsweise auf das Belohnungssystem im Gehirn aus, Endorphine wirken schmerzlindernd und lösen Glücksgefühle aus. Man könnte daher auch sagen, dass sportliche Aktivität die Gedanken wieder in Fluss bringt.

Reicht also schon ein ausgedehnter Spaziergang am Tag, um psychischen Erkrankungen vorzubeugen oder Beschwerden zu lindern?

Nein, ein Spaziergang reicht nicht aus. Um einen Effekt zu erzielen, sollte man mindestens 20 Minuten pro Tag oder zweieinhalb Stunden pro Woche moderat aktiv sein, idealerweise mit Sportarten, die den Puls über 100, also in den Bereich der Fettverbrennung, bringen. Empfehlenswert sind Radfahren, Nordic Walking, Schwimmen oder Krafttraining. Auspowern sollte man sich dabei allerdings nicht. Denn eine lange Erholungsphase wäre demotivierend.

Sind Menschen, die körperlich fit sind, folglich weniger gefährdet, eine psychosomatische Erkrankung wie eine Depression zu entwickeln?

Allgemein fördert Bewegung die Gesundheit. Ein hoher Fitnessgrad senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, stärkt Ausdauer, Beweglichkeit und das Immunsystem. Studien zufolge besteht bei körperlich fitten Personen außerdem ein etwa 16 Prozent geringeres Risiko für die Entwicklung einer Depression. Um zu testen, wie es um die eigene Fitness bestellt ist, eignen sich zum Beispiel Smartwatches oder Fitnesstracker, die den Puls während des Trainings überwachen. Überdies hat, wer sportlich aktiv ist, meist auch mehr soziale Kontakte und ist weniger einsam. Zudem stärkt es das Selbstwertgefühl, wenn man eigene Ziele erreicht.

Menschen mit Depressionen fällt es oft besonders schwer, aktiv am Leben teilzuhaben. 

Die positive Wirkung von Bewegung auf die mentale Gesundheit zeigt: Man kann im Alltag selbst etwas tun, um dem täglichen Gedankenkarussell zu entfliehen und der Entwicklung einer Depression entgegenzuwirken. Der präventive Effekt ist hoch. In der Akutphase der Erkrankung braucht es jedoch weitere Begleitung, die wir in unserer Fachklinik für Psychosomatik leisten. In der Therapie hat Sport vor allem eine aktivierende Aufgabe: Man tut etwas und verharrt nicht nur in sich. Umso wichtiger ist es, dass Bewegung Spaß macht. Patienten haben daher die Möglichkeit, unterschiedliche Sportarten auszuprobieren und das zu finden, was ihnen Freude bereitet. 

In der Klinik behandeln Sie Menschen mit verschiedenen psychosomatischen Krankheitsbildern in der Akutphase. Welche Rolle spielt Bewegung hier in der Therapie?

In unserer Fachklinik für Akutpsychosomatik betrachten wir die Verbindung von körperlichen und psychischen Beschwerden, um den Menschen umfassend zu unterstützen. Da wir wissen, dass Bewegung bei psychosomatischen Erkrankungen wie Depressionen, Erschöpfungszuständen, Angst- und Zwangsstörungen auf vielfältige Art wirksam sein kann, ist sie ein elementarer Bestandteil der Therapie. Unter anderen bieten wir Yoga, Qi Gong, Funktionsgymnastik, Muskelaufbautraining und Bogenschießen an. Zudem steht unseren Patienten eine Kletterwand zur Verfügung. Denn auch das ist wichtig: eigene Grenzen überwinden und Erfolgserlebnisse haben.

Unsere Expertin

Dieser Ratgebertext entstand in Zusammenarbeit mit Dr. med. Catri Tegtmeier. 

Dr. med. Catri Tegtmeier

Dr. med. Catri Tegtmeier

Dr. med. Catri Tegtmeier ist Chefärztin der Fachklinik für Akutpsychosomatik der MEDICLIN Kliniken Bad Wildungen. Als Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie verfügt sie über eine langjährige Expertise in der Behandlung von Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen.  

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